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Alltagsgegenstände

Alltagsgegenstände #59: Warum im Bleistift nie Blei steckte

04. November 2026 · 09:41 Min.

Die Spitze bricht, und ein winziger blaugrauer Punkt bleibt für immer in deiner Handfläche. Steckt da jetzt Blei in dir? Nein. In einer Bleistiftmine war noch nie Blei. Du schreibst mit Graphit, einer Form von Kohlenstoff, die man im 16. Jahrhundert in England schlicht für Bleierz hielt.

Der Name ist ein Irrtum, der älter ist als sein Beweis: 1653 taucht in Nürnberg das Wort „Bleystefft“ auf, erst 1779 zeigt der Apotheker Carl Wilhelm Scheele, dass Graphit Kohlenstoff ist. Und die Mine, mit der du heute schreibst, entstand nicht am Schreibtisch eines Genies, sondern als Notlösung im Krieg.

🕰️ Sägbaren Graphit gab es lange nur an einer einzigen Bergflanke in Borrowdale. Arbeiter wurden nach der Schicht durchsucht, und 1752 machte ein Gesetz das Eindringen in die Grube zum Verbrechen.

💡 Als der Krieg mit Großbritannien Frankreich vom englischen Graphit abschnitt, mischte Nicolas-Jacques Conté Graphitpulver mit Ton und brannte daraus die Mine, die bis heute im Holzbleistift steckt.

🕰️ Lothar von Faber versah seine Stifte als Erster mit dem Firmennamen, holte Graphit aus Ostsibirien, den Rentiere durch die Wildnis trugen, und brachte 1874 eine Petition für ein Markenschutzgesetz in den Reichstag.

❌ Den Radiergummi am Stift erklärte das oberste Gericht der USA 1875 für nicht patentierbar: Zwei bekannte Dinge zu verbinden ist noch keine Erfindung.

🧬 Graphit gilt als weitgehend ungiftig. Eine abgebrochene Spitze unter der Haut bleibt meist ein harmloser Fleck, nur selten wird daraus nach Jahrzehnten ein Knoten, der schon für schwarzen Hautkrebs gehalten wurde.

Der Name auf dem Stift ist ein Irrtum, der Stift selbst eine geniale Notlösung.

*Hinweis: Diese Folge ordnet historische, technische und gesellschaftliche Zusammenhänge nach bestem Quellenstand ein. Einzelne Details können je nach Quelle unterschiedlich bewertet werden.*

Quellen:

MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine, Pencil swallowing. https://medlineplus.gov/ency/article/002817.htm

DWDS, Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, Bleistift (Etymologie). https://www.dwds.de/wb/Bleistift

Encyclopaedia Britannica 1911, Scheele, Karl Wilhelm, Wikisource. https://en.wikisource.org/wiki/1911_Encyclop%C3%A6dia_Britannica/Scheele,_Karl_Wilhelm

Historic England, Seathwaite graphite mine, Borrowdale, List Entry 1019941. https://historicengland.org.uk/listing/the-list/list-entry/1019941

NPR, 2016, How Pencils Are Made. https://www.npr.org/sections/ed/2016/10/11/492999969/origin-of-pencil-lead

Neue Deutsche Biographie, Faber, Lothar Freiherr von. https://www.deutsche-biographie.de/sfz14011.html

Die Gartenlaube, 1865, Die Faber’sche Bleistiftfabrik in Stein, Wikisource. https://de.wikisource.org/wiki/Die_Faber%E2%80%99sche_Bleistiftfabrik_in_Stein

Wikipedia, Lothar von Faber. https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_von_Faber

U.S. Supreme Court, 1875, Reckendorfer v. Faber, 92 U.S. 347, Justia. https://supreme.justia.com/cases/federal/us/92/347/

Sharma, 2021, Graphite Foreign Body Misdiagnosed as a Blue Naevus-Like Localised Argyria, Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology. https://www.dovepress.com/graphite-foreign-body-misdiagnosed-as-a-blue-naevus-like-localised-arg-peer-reviewed-fulltext-article-CCID